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Steffen Müller

Pressemitteilung


4. Juni 2007

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Merck auf dem ASCO 2007: Cilengitide zeigt ermutigende Ergebnisse in einer Phase I/IIa Studie für das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit aggressiven Hirntumoren (Glioblastomen)

  • Phase III-Studie geplant

    Abstracts Nr. 2000, 2002


Chicago/Darmstadt, 4. Juni 2007 – Die heute im Rahmen der diesjährigen Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellten Daten einer Phase I/IIa-Studie belegen die klinische Wirksamkeit von Cilengitide bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom, einer besonders aggressiven Form von Hirntumoren. Cilengitide ist ein hochselektiver Integrinhemmer, der spezifisch gegen den Tumor und seine Blutgefäße gerichtet ist.

52 Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom wurden nach Tumorresektion oder Biopsie mit Cilengitide in Kombination mit einem Standardschema aus Strahlentherapie und dem Chemotherapeutikum Temozolomid behandelt. Mit 69% progressionsfreien Patienten zum Zeitpunkt sechs Monate erreichte die Studie den vordefinierten primären Endpunkt und erzielte ein mittleres progressionsfreies Überleben von 8,1 Monaten. In einer definierten Untergruppe von Patienten mit methyliertem MGMT-Genpromotor im Tumorgewebe wurde bei 91% der Patienten ein progressionsfreies Überleben von sechs Monaten erzielt, wobei die mittlere progressionsfreie Überlebenszeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht war. Diese Ergebnisse sind ermutigend im Vergleich mit einer bereits abgeschlossenen Phase III-Studie der EORTC [Gesamtkollektiv: 54% 6 Monate progressionsfrei, mittleres progressionsfreies Überleben 6,9 Monate (1); Untergruppe mit methyliertem MGMT-Gen-Promotor: 69% progressionsfrei, mittleres progressionsfreies Überleben von
10,3 Monaten]. (2)

Der leitende Prüfarzt Dr. Roger Stupp vom CHUV Lausanne (Schweiz) kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Wir sind über diese Ergebnisse hocherfreut. Sie zeigen uns das Potenzial von Cilengitide, bei Patienten mit dieser schwerwiegenden Form von Hirntumor einen wirklichen Unterschied beim Behandlungsergebnis zu erzielen. Die derzeit verfügbaren Therapiemöglichkeiten sind immer noch begrenzt und mit einer schlechten Prognose behaftet. Wir erwarten mit Spannung neue Erkenntnisse über die Vorteile dieses viel versprechenden Wirkstoffs anhand größerer Patientenkollektive."

Auf der ASCO wurden des Weiteren Daten aus einer randomisierten, multizentrischen Phase IIa-Studie vorgestellt. In dieser Studie wurden 81 Patienten mit rezidivierenden Glioblastomen mit zwei unterschiedlichen Dosen Cilengitide (500 und 2.000 mg) als Monotherapie behandelt. Nach erfolgter Resektion oder Biopsie waren diese Patienten zuvor mit Strahlentherapie und dem Chemotherapeutikum Temozolomid behandelt worden und hatten unter dieser Behandlung ein Rezidiv entwickelt. Die progressionsfreie Überlebensrate betrug zum Zeitpunkt sechs Monate 16% und zum Zeitpunkt 12 Monate 10%. Während im Gesamtkollektiv der primäre Endpunkt einer progressionsfreien Überlebensrate von 25% der Patienten zum Zeitpunkt sechs Monate nicht erreicht wurde, zeigte eine Untergruppe ein sehr deutliches und anhaltendes klinisches Ansprechen, was auf eine biologische Wirksamkeit schließen lässt. Dauerhaftes, signifikantes Ansprechen mit Krankheitsstabilisierung wurde bisher für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren beobachtet. Die beobachtete mediane Gesamtüberlebenszeit betrug 6,5 Monate bei Verabreichung der 500-mg-Dosis und 9,9 Monate bei der 2.000-mg-Dosis. Diese Ergebnisse sind angesichts der begrenzten Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit rezidivierenden Glioblastomen sehr ermutigend.

„Diese mit Cilengitide beim Glioblastom, einem sehr schwer therapierbaren Tumor, erzielten Ergebnisse sind von großer Bedeutung, da eine neue, hochwirksame spezifische Therapie, die bei hervorragendem Nebenwirkungsprofil und Kompatibilität mit anderen Behandlungsmöglichkeiten ein signifikantes Ansprechen erzielt, dringend benötigt wird. Auf Basis dieser Datenlage planen wir eine größere, konfirmatorische Phase III-Studie zum klinischen Nutzen von Cilengitide bei der Behandlung von Glioblastomen", stellte Dr. Wolfgang Wein, Senior Executive Vice President, Oncology, der Sparte Merck Serono in Aussicht.

„Diese Entwicklungen stärken das Onkologie-Portfolio von Merck Serono, angeführt von Erbitux®, dem gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor gerichteten monoklonalen Antikörper, weiter und untermauern das Engagement von Merck Serono bei der Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten für Krebspatienten", erläuterte Dr. Wein weiter.

Weltweit erkranken jährlich 189.000 neue Patienten an Hirntumoren und Tumoren des Nervensystems. Diese Krebsarten sind jährlich für 142.000 Todesfälle verantwortlich. Damit entfallen 1,7% aller Krebs-Neuerkrankungen und 2,1% aller krebsbedingten Todesfälle auf diese Tumortypen. (3) Hirntumore stellen bis zu 90% aller Primärtumore des zentralen Nervensystems. (4) Gliome sind die häufigsten Primärtumore des Hirns und machen 80% aller malignen Hirntumore aus. In 50% der Fälle handelt es sich hierbei um Glioblastome, der aggressivsten Form von Hirntumor.

Die durchschnittliche Überlebenszeit von Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom beträgt unter Therapie mit den besten, derzeit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten nur 10 bis 15 Monate. (1) Glioblastome sind aktuell unabhängig von der gewählten Behandlung mit einer Sterblichkeitsrate von fast 80% innerhalb von zwei Jahren behaftet. Der Untersuchung neuartiger Behandlungsmöglichkeiten und vor allem spezifischer Therapien wie Cilengitide kommt damit eine ganz entscheidende Bedeutung zu.

Über die Studien
Studie 1 (neu diagnostizierte Glioblastome) ist eine offene, multizentrische Studie der Phase I/IIa ohne Kontrollgruppe und untersucht Cilengitide und Temozolomid bei gleichzeitiger Strahlentherapie, gefolgt von Erhaltungstherapie mit Temozolomid und Cilengitide bei Patienten mit neu diagnostizierten Glioblastomen. Nach Tumorresektion oder Biopsie wurden die Patienten mit einer Standardchemotherapie mit Temozolomid und Strahlentherapie behandelt. Zusätzlich wurde Cilengitide (500 mg intravenös, zweimal wöchentlich) eine Woche vor der Verabreichung von Temozolomid und Strahlentherapie begonnen und über die gesamte Dauer der Chemotherapie oder bis zur Krankheitsprogression verabreicht. Als primärer Endpunkt wurde das progressionsfreie Überleben zum Zeitpunkt sechs Monate definiert. Die Studie wurde an 16 Prüfzentren in Deutschland, der Schweiz und Belgien durchgeführt.

Studie 2 (rezidivierende Glioblastome) ist eine offene, randomisierte, multizentrische Studie der Phase IIa ohne Kontrollgruppe und untersucht Cilengitide als Monotherapie bei Patienten mit rezidivierenden Glioblastomen. Die Patienten wurden randomisiert zweimal wöchentlich entweder mit 500 mg oder mit 2000 mg Cilengitide (intravenös) bis zur Krankheitsprogression behandelt. Als primärer Endpunkt wurde das progressionsfreie Überleben zum Zeitpunkt sechs Monate definiert. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Ansprechrate, Überlebenszeit, progressionsfreies Überleben, Sicherheit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik. Die Studie wurde an 15 Prüfzentren in den USA durchgeführt.

Über Cilengitide
Cilengitide wurde von Merck entwickelt. Hierbei handelt es sich um die erste spezifische Krebstherapie einer neuen Klasse - der so genannten Integrinhemmer - bei Glioblastomen, die auf den Tumor und seine Blutgefäße gerichtet wirkt.
Integrine sind Rezeptoren auf der Zelloberfläche, die bei manchen Krebsarten unkontrolliert auftreten und somit das Wachstum, Überleben und Eindringvermögen von Tumoren begünstigen. Integrine sind fundamentale Bausteine der Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen), einem für den Tumor entscheidenden Vorgang, der es ihm ermöglicht, über eine bestimmte Größe hinaus zu wachsen. Die Eigenschaften von Cilengitide sind unmittelbar gegen den Tumor und sein Eindringvermögen gerichtet.
Neben der von Merck KGaA/EMD Serono initiierten Studien fördert das US-amerikanische National Cancer Institute (NCI) weitere klinische Studien im Rahmen einer vertraglichen Forschungskooperation (CRADA) mit der Merck KGaA zur Weiterentwicklung von Cilengitide. Eine erste Phase I/II-Studie an erwachsenen Patienten mit hochgradigen Gliomen (einschließlich Glioblastomen) lieferte ermutigende Ergebnisse. (5) Derzeit laufen sieben vom NCI geförderte Studien mit Cilengitide als Monotherapie bei verschiedenen Tumorarten einschließlich neu diagnostiziertem Glioblastom, rezidivierendem Glioblastom bei Erwachsenen und rezidivierenden Hirntumoren bei Kindern. Eine weitere NCI-Studie untersucht derzeit im Phase II-Setting die Kombination von Cilengitide mit Strahlentherapie und Temozolomid bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom.

Merck hat sich dem Ziel einer Förderung der Onkologie-Therapie verschrieben und untersucht derzeit neuartige therapeutische Ansätze in hoch spezifischen Bereichen, beispielsweise die Anwendung von Erbitux bei Kolorektalkarzinomen, Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses sowie nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom. 1998 erwarb Merck von ImClone Systems Incorporated (New York) die Lizenz zur Vermarktung von Erbitux außerhalb der USA und Kanadas. In Japan teilt sich Merck die co-exklusiven Marketing-Rechte mit ImClone Systems. Außerdem hat Merck die Rechte an der Krebstherapie UFT® (Tegafur-Uracil) erworben – eine orale Chemotherapie, die mit Folinsäure zur Erst-Linien-Therapie von metastasierenden Kolorektalkarzinomen eingesetzt wird.
Daneben untersucht Merck auch andere Tumortherapien, so etwa die Anwendung von Stimuvax® (früher als liposomaler Krebs-Impfstoff BLP25 bezeichnet) für die Behandlung des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms. Im September 2004 hat dieser Impfstoff von der FDA den Fast-Track-Status erhalten. Merck hat von Biomira Inc. aus Edmonton, Alberta/Kanada, die weltweiten Exklusiv-Lizenzrechte außer für Kanada erworben, wo sich beide Unternehmen die Rechte teilen.

Literatur:
1. Stupp et al. Radiotherapy plus concomitant and adjuvant temozolomide for glioblastoma. NEJM 2005; 352:987-996.
2. Hegi et al., MGMT gene silencing and benefit from temozolomide in glioblastoma. NEJM 2005; 352(10):997-1003.
3. Max Parkin et al. Global Cancer Statistics, 2002. CA Cancer J Clin 2005; 55:74-108.
4. Levin et al. Neoplasms of the central nervous system. In DeVita VT Jr, Hellman S, Rosenberg SA, eds: Cancer: Principles and Practice of Oncology. 6th ed. Philadelphia, Pa: Lipponcott Williams & Wilkens 2001; 2100-2160.
5. Nabors et al. Phase I and Correlative Biology Study of Cilengitide in Patients with Recurrent MalignantGlioma. JCO 2007; 25: 1651-1657.


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Merck ist ein weltweit tätiges Pharma- und Chemieunternehmen mit einem Umsatz von 6,3 Mrd. Euro in 2006, einer Geschichte, die 1668 begann, und einer Zukunft, die 35.091 Mitarbeiter in 62 Ländern gestalten. Innovationen unternehmerisch denkender und handelnder Mitarbeiter charakterisieren den Erfolg. Merck bündelt die operativen Tätigkeiten unter dem Dach der Merck KGaA, an der die Familie Merck mittelbar zu rund 70% und freie Aktionäre zu rund 30% beteiligt sind. Die einstige US-Tochtergesellschaft Merck & Co. ist seit 1917 ein von der Merck-Gruppe vollständig unabhängiges Unternehmen.